23.04.2012

nüssli, hägili, vartz im dristund in den munt

für Herrn Wittenwiler sind die Funktionen des Enddarms wohl ein großes Faszinosum, da er sie so ausgezeichnet aufgezeichnet hat.
Der Umfang des Ringes nimmt mir die Zeit mit Maulwürfen zu spielen, die sandigen Sonnenschein dem feuchten Erdreich vorziehen.


Fernleihe, Altbestand,
nicht gefunden, unbekannt.


Der neue Büroraum ist aussichtsmäßig auf gleicher Höhe, wobei der sekretariatene Übersiedlungszwang besser nicht hinterfragt werden sollte.


Ich bin das angewandte Literaturwissensschaf.


Da hilft nur: Weiter mit den Dingen ringen, bis die Zeit gekommen ist, die Niederschönenfelder Akten in das heilige Land zu bringen.

30.03.2012

40935

ich bin mir sicher,
dass ich tagelang
nur durch lechzlecken
Deines körpers
überleben kann.


denn: der hunger
ist auf viele arten
bekämpfbar.


ich scheiß auf 
waldeinsamkeit,
wenn das leben
leicht ist.


pheromoneller überschwang
difficulty: come get some!


augenseetauchen zur erfrischung
und endlose liegegelage
riechen statt atmen
ich schaue Dein.


die raffinesse der simplizität
genügt sich selbst
und braucht doch Dich.

20.03.2012

heute

Schwarze Wärme, die
Den Schlund mir
Täglich fast verbrüht.

Sag´ welch Teufels
Trick ließ mich
Heut´auf Dich vergessen?


Nach Dir verzehr´ ich
Mich, Du schwarzer Saft,
Erzeugnis aus zermahlnen Bohnen,
Die des Wassers Druck umspült.

08.03.2012

Voyeur


Schon als ich heute aufwachte und auf der Suche nach Frühstück in die helle Leere des Kühlschranks blickte, schien es mir, als wäre ich nicht allein in der kleinen Küche meiner Garçonnière. Beim Zähneputzen spürte ich, wie jemand die fahrigen Stöße der Bürste verfolgte und auch der tiefe Schnitt der Zahnseide in das Fleisch zwischen meinen Schneidezähnen wurde beobachtet. Auf dem Weg zur Uni, den ich, wie jeden Tag, Fahrrad fahrend bestritt, versuchte ich meinen Beobachter durch abruptes Umdrehen abzuschütteln, was zu Hupen, Reifenquietschen und möglicherweise einem Blechschaden führte. In der Vorlesung setzte ich mich in die letzte Reihe. Ausgeschlossen, dass mich jemand anstarren konnte. Mehrmals warf ich meinen Kopf ruckartig herum, musste mich aber jedes Mal von der totalen Nichtexistenz meines Beobachters überzeugen. Ich wurde halb wahnsinnig, als ich bemerkte, wie jemand auf die Narbe hinter dem linken Ohr blickte, die von einem kindheitlichen Schaukelunfall herrührte. Mit Schwitzen und Zittern überlebte ich die Lehrveranstaltung. Obwohl ich Übles ahnte, zwang mich das Gesetz der Natur zum Aufsuchen der Toilette. Vor dem Spiegel stehend wischte ich mir milchige Schweißperlen mit grünen Papierhandtüchern weg.
Ich werfe sie in den Müll und sehe mich um. Niemand? Schließlich halte ich es nicht länger aus, reiße meinen Hosenstall auf und springe vor ein beliebiges Pissoir. Ich greife an den Saum der Boxershorts, ziehe ihn nach unten, taste nach... Halt! Jetzt reichts! Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist? Jetzt hör schon endlich auf mich anzustarren und such Dir etwas Anständiges zu lesen! Hiergeblieben! Jetzt bin ich am Zug. Ohne Dir zu verraten, wie ich dort hingekommen bin, stehe ich vor Deiner Tür. Ich weiß, Du bist nicht zu Hause. Zum Glück kenne ich mich recht gut mit Schlössern aus. Zuvor habe ich mir meine Bergschuhe angezogen. Die mit dem richtig groben Profil. Mit ihnen bin ich durch den kleinen Park gelaufen, den alle nur benutzen, um ihre Hunde Gassi zu führen. Ich bin in jeden einzelnen Hundehaufen getreten. Endlich ist die Tür offen. Deinen hässlichen Fußabstreifer benutze ich natürlich nicht. Mann, stinkt es bei Dir. Widerlich. Als erstes gehe ich in Deine Küche. Kann sein, dass ich schon ein paar Bier intus habe. Ich nehme den großen Topf und mache ihn voll. Dein Bett scheint recht weich zu sein. Ich hinterlasse braune Fußabdrücke. Ja, schau nur her! Mit Deiner Zahnbürste kratze ich den letzten Dreck von meinen Schuhen. Schau mich nur an! Ich grinse, wenn ich die Tür wieder hinter mir schließe. Lass Dir das eine Lehre sein. Du Voyeur! 

07.03.2012

SR 9 (Teil 2)

schau, die wolken
wia sie bled tuan
und schnaufend
um die sonn
ummaschlurfen.


i moan,
dass des so
überhaupts nit
weitergehn kann.


sag, wo
kemmen ma
da hin,
wenn a jeder
so tuan tat.

SR 9

Ma draußn ischs so schen,
I will aussi sonnen gehn.
Stinken tuats, da im Raum,
Sechzig Augen, de bled schaun.
Infos gibts, in Formation.
Die Allermeisten starren schon
Vor sich und woanders hin,
Isch des fad, i glab i spinn.
Am liabsten tat i ganz laut furzn
Dann hatt i Spaß
doch nur an kurzn.

06.03.2012

01:24

kröchen ratten aus den löchern nicht
täglich oder wöchentlich
rentierte sich das zechen nicht
unsäglich obschon wunderlich

01.03.2012

amsterdam

inspiriert durch blaetterrausch

amsterdam


schwammverstand
hamsterkamm
angewandt
hand verbrannt
panzerland
nachgeahmt

28.02.2012

-20° konstant

und mag sich draußen selbst der Schnee regen. Ich grabe mich ein, fossiliere mich, weil die fenestralen Aussichten jenes Bild des Jammers bieten, für das "abgefucktes Scheißwetter" ein Euphemismus ist. Gerade vorhin sah ich eine handvoll Fußgänger sich aneinander festkrallend über den Eispanzer des Zebrastreifens rutschen. Kurz darauf wurden sie alle von einem schlitternden LKW erfasst und ihre Leiber gegen ein paar parkende Mercedes gequetscht. Großes Geschrei, Panik, Polizei, Rettung usw. Seltsam beruhigend muteten die flackernden Lichter an. Wegen wiederholten Unfällen mit Todesfolge warnt eine Frau aus dem Radio vor dem Eislaufen in steilen Gebieten der Stadt. Ich kann den Hauch meines Atems durch die Skimaske hindurch erkennen. Ohne Schutz würde mir alle Flüssigkeit im Rachenbereich gefrieren. Niemand weiß genau, wann die Kälte kam. Die neue Zeit begann für uns im August 20XX, als die Regierung verlautbaren ließ, dass es nie wieder warm werden würde.

19.02.2012

sonntag

blitzhageldonnersakrament kaboombadauz,
gnörkalisches zellophanelixierbereichstempo,
meisterliche ruhmreichung
des anderorts verbreiteten
schabrackeneisvogels.


puderzucker mit milch,
früchte in alkohol,
abwesende pizza,
kalter schatten salat.


landläufig gilt:
wenn der frühe vogel eine grube gräbt,
passt auf keine kuhhaut,
wie verdorben der brei ist.

18.02.2012

samstag

Der Radiergummi lächelte frech und begann sein Werk fortzusetzen, indem er eine Spur aus Nichts hinterlassend über die engbeschriebenen Blätter fetzte, bis schließlich nur noch ein Satz der Auslöschung trotzte: Die Zeit ist einfach das, was gerade nicht ist.

17.02.2012

freitag

Der Dickwanst hatte schon mehr als nötig von den vor ihm von zahllosen Bediensteten aufgetürmten Haupt- und Nebenspeisen zwischen seine Wurstfinger genommen und geräuschvoll seinem enormen Schlund überantwortet, als ich widerwillig aber laut eingestehen musste, dass ich mir den Tag frei nehmen wollte.

16.02.2012

donnerstag

Das Denken sollte man sich abgewöhnen, murmelte ich, blinzelte in die Ferne der Vernunft und ließ die blitzende Axt zärtlich auf das Medusenhaupt der Schönheit niedersausen, während die Gäste applaudierten.

15.02.2012

mittwoch

Die Frage, ob nicht meine deplatzierte Hypophyse an allem Schuld war, stellte ich mir häufig beim Gang zum Bad, auf dem ich speißrutenlaufmäßig den Überresten der letzten Wochen meines Lebens auswich und schreiend nach jenem Botaniker verlangte, der mir die blaue Blume zeigen konnte.

14.02.2012

dienstag

Wenn ich jetzt aufstünde, gemäß den hiesigen Usancen zuerst Beinkleid dann Armkleid anzulegen versuchte, während ich gierend nach der schwarzen Macht in die Küche taumelte, müsste ich feststellen, dass ich und Frau Holle heute Dienst haben.